Minnesang und Spruchdichtung des 12.-15. Jahrhunderts



Hans Hegner (geb.1959 in Berlin) tritt seit 1983 als Sänger und Instrumentalist mit mittelalterlicher Lyrik auf.

Seine musikalischen Erfahrungen und Einflüsse liegen sowohl in der historischen Aufführung Alter Musik als auch in den Traditionen moderner Folk- und Weltmusik.

Aus diesen musikalischen Bereichen stellte sich Hans Hegner sein Instrumentarium zusammen : Drehleiern verschiedener Epochen in unterschiedlicher Bauart, Blockflöten, Krummhörner u.a. historische Holzblasinstrumente, sowie Handtrommeln traditioneller Musikkulturen.

Im Mittelpunkt aber stand für ihn immer die gesangliche und sprachliche Interpretation des gedichteten Wortes : Eigens dafür studierte er Ältere Germanistik und Vergleichende Sprachwissenschaft in Berlin und Salzburg. Die wissenschaftliche Arbeit an Text und Übersetzung, die Kenntnis der handschriftlichen Quellen und der mittelalterlichen Notenschrift bilden das Fundament seiner Interpretation.

Von der Musik des Minnesangs ist vieles nicht bekannt, und vieles lässt sich kaum mehr eindeutig erschließen – Takt, Rhythmus, Vortragsweise, Instrumentalbegleitung – , zudem gab es im Mittelalter eine bunte Vielfalt musikalisch-literarischer Stilrichtungen und individueller Stile der einzelnen Sängerdichter.

So darf auch ein Lied im Repertoire Hans Hegners seine eigene Entwicklung nehmen und im persönlichen Stil des heutigen Sängers für das Publikum lebendig werden. Die musikalischen Erfahrungen aus der Folklore helfen, eine Interpretation zu finden, wo die historische Überlieferung Fragen offenlässt.

Besonderes Augenmerk gilt auch dem Verständnis der mittelhochdeutschen Sprache : Hans Hegner stellt daher den Liedern seine Übersetzungen zur Seite, je nach Genre lyrisch rezitiert oder unterhaltsam erzählt. Gesprochene Texte und gesungene Lieder werden so fast gleichberechtigt zu einem programmatischen Bogen zusammengestellt.

Hans Hegners Repertoire umfasst alle Gattungen gesungener mittelhochdeutscher Dichtung – Minnesang, Sangsprüche, strophische Epik und geistliche Lieder – und reicht zeitlich vom Kürenberger über Friedrich von Hausen, Walther von der Vogelweide, Neidhart ´von Reuental` und Wizlaw von Rügen bis zu Oswald von Wolkenstein.

Neben Solo-Auftritten singt und spielt Hans Hegner seit 1989 auch gemeinsam mit Ursel Peters unter dem Namen FUNDEVOGEL Lieder und Balladen aus 9 Jahrhunderten : Hier reicht der historische Bogen vom Mittelalter über Liedsätze der Renaissance, Volkslieder und Balladen bis hin zu Jiddischen Liedern. Seit 1996 ist er ausserdem Mitglied der Gruppe COLLAGE – Forum für frühe Musik Berlin – mit Liedern und Instrumentalmusik aus Mittelalter und Renaissance. Hans Hegner hält auch Vorträge zur Geschichte des Minnesangs mit Liedbeispielen, z.B. als Unterrichtseinheit für Oberschulen, und leitet Kurse für Drehleier und Ensemblespiel.